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Ayurveda

Ayurveda im Sommer: Pitta-Saison ausgleichen und kühlen Kopf bewahren

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Adrian Schmidt

Experte für Kosmologie

Traditionelles Wissen zur Selbstreflexion – kein Ersatz für ärztlichen Rat.

Im Ayurveda folgt das Jahr den drei Doshas: Spätwinter und Frühling gehören dem Kapha, der Sommer dem Pitta, Herbst und Frühwinter dem Vata. Pitta verbindet Feuer und Wasser, gilt als heiß, scharf, leicht und flüssig und steht für Umwandlung und Stoffwechsel, für Fokus und Zielstrebigkeit. Steigt draußen die Hitze, steigt nach ayurvedischer Lehre auch das innere Feuer.

Zu viel davon zeigt sich nach der Lehre als Ungeduld, Reizbarkeit und Perfektionismus, als Hitzegefühl und unruhiger Schlaf. Die Tradition antwortet darauf nicht mit einem Kampf gegen die Hitze, sondern damit, das Feuer nicht weiter anzufachen: mit kühlender Kost, Maß bei der Bewegung und Ruhe in den heißen Stunden. Das gilt jeden Sommer aufs Neue und für alle drei Doshas.

Die Pitta-Saison im Jahreslauf

Die Pitta-Saison reicht grob von Ende Mai bis in den September. Entscheidend ist nach der Lehre weniger das Datum als das Wetter: Wo es heiß ist, wächst Pitta. Das Licht erreicht zur Sonnenwende sein Maximum, die Hitze meist erst im Juli und August, und mit ihr das Pitta.

Pitta-Typen spüren den Sommer am stärksten, weil er ihre Grundnatur verstärkt; wie sich Pitta als Konstitution zeigt, beschreibt der Beitrag Pitta ausgleichen. Vata-Typen genießen die Wärme oft, doch trockene Hitze vermehrt nach der Lehre auch Vata, das dann im Herbst hervortritt. Kapha-Typen kommen mit dem Sommer meist gut zurecht. Als weitere Anzeichen für zu viel Pitta nennt die Tradition einen heißen Kopf, Empfindlichkeit gegenüber Licht und Hitze, starken Hunger und das Gefühl, sich in der eigenen Haut nicht wohlzufühlen.

Der Übergang im Mai: von Kapha zu Pitta

Die klassischen Texte nennen die Nahtstelle zweier Jahreszeiten Ritusandhi: rund zwei Wochen, in denen man die Gewohnheiten der alten Jahreszeit allmählich ablegt und die der neuen allmählich annimmt. Im Mai liegt diese Nahtstelle zwischen dem Kapha-Frühling und dem Pitta-Sommer. Die Schwere des Frühjahrs ist oft noch da, während die Wärme schon Pitta anfacht.

  • Küche: weiter leicht und bitter, denn Bitteres verringert nach der Lehre Kapha und Pitta zugleich. Scharfe Gewürze wie Chili und Senf nach und nach zurücknehmen.
  • Getränke: statt Ingwertee zunehmend Pfefferminze, Rosenblüten oder Fenchel.
  • Öl: für Selbstmassage und Ölziehen vom wärmenden Sesamöl zu kühlendem Kokos- oder Sonnenblumenöl wechseln.
  • Bewegung: weg von der kräftigen Bewegung des Frühlings, hin zu maßvoller Bewegung in den kühlen Morgen- und Abendstunden.

Was im Frühling selbst ansteht, beschreibt der Beitrag über Ayurveda im Frühling.

Ernährung im Sommer: von innen kühlen

Der Ayurveda kennt sechs Geschmacksrichtungen (Rasas). Süß, bitter und herb verringern Pitta, sauer, salzig und scharf vermehren es. Schon die klassischen Texte raten im Sommer zu süßen, kühlen und flüssigen Speisen und zu Maß bei Salzigem, Saurem und Scharfem.

  • Kühlend: Gurke, Zucchini, Melone, reife süße Früchte wie Birnen, Trauben und Kirschen, Kokos, Reis, Gerste, bittere Salate wie Chicorée und Rucola, frische Kräuter wie Koriander, Minze und Fenchel. In kleinen Mengen gilt auch Ghee als kühlend, trotz seines Fetts.
  • Weniger: Chili, Knoblauch, rohe Zwiebeln, Essig, saure Früchte, Käse und Fermentiertes, rotes Fleisch, viel Salz, Alkohol und viel Kaffee. Auch Joghurt gilt nach der Lehre als sauer und erhitzend.
  • Getränke: kühl, aber nicht eiskalt, denn Eis schwächt nach der Lehre das Verdauungsfeuer. In der ayurvedischen Küche beliebt sind Kokoswasser, Rosenwasser und ein zimmerwarmer Tee aus Koriander, Kreuzkümmel und Fenchel.

Auch das Wann zählt: Mittags, in der Pitta-Zeit zwischen 10 und 14 Uhr, gilt das Verdauungsfeuer Agni als am stärksten. Die Hauptmahlzeit gehört auf den Mittag, das Abendessen fällt leicht und früh aus. Vata-Typen essen auch im Sommer lieber warm und gekocht als nur Rohkost. Kräuter wie Brahmi oder Shatavari gelten in der Tradition als kühlend; sie können mit Medikamenten wechselwirken und passen nicht für jeden, etwa in der Schwangerschaft. Frag vorher deine Ärztin, deinen Arzt oder in der Apotheke.

Bewegung und Alltag in der Hitze

Sport gehört im Sommer in die kühlen Stunden, morgens oder am Abend, und in maßvoller Intensität; Schwimmen gilt als passende Sommerbewegung. Ein einfacher Maßstab: Bist du nach dem Training gereizter als vorher, war es zu viel oder zur falschen Zeit. Anders als im Frühling erlauben die klassischen Texte im Sommer einen kurzen Mittagsschlaf; sie empfehlen leichte Kleidung und kühle, schattige Orte.

Auch der Geist braucht Kühlung, denn Pitta neigt zu Kritik, Kontrolle und Eile. Die Yoga-Sutras raten bei quälenden Gedanken zu Pratipaksha Bhavana, dem bewussten Einüben des Gegenteils: Mitgefühl statt Kritik, Geduld statt Eile. Ruhige Übungen wie Yoga Nidra oder ein Körperscan gelten als passend, heizende Atemübungen wie Kapalabhati eher nicht.

Schlafen bei Hitze

Die ayurvedische Uhr ordnet die Stunden von 22 bis 2 Uhr dem Pitta zu; nach der Lehre verarbeitet der Körper dann den Tag. Ist Pitta erhöht, wacht man genau in dieser Zeit auf: überhitzt, mit kreisenden Gedanken, im Kopf schon bei den Aufgaben von morgen. Die Tradition rät deshalb, vor 22 Uhr zu schlafen, solange die ruhige Kapha-Zeit des Abends das Einschlafen erleichtert.

  • Kühlender Atem: Bei Shitali atmest du durch die zu einem Röhrchen gerollte Zunge ein und durch die Nase aus; wer die Zunge nicht rollen kann, atmet bei Sitkari zischend durch die Zähne ein. Beide Übungen stammen aus dem Yoga und fühlen sich kühlend an.
  • Kokosöl: vor dem Schlafen auf Fußsohlen und Schläfen einmassiert, gilt es als kühlend.
  • Ein leichter Abend: kein schweres oder scharfes Essen, danach keine Bildschirme, keine Arbeit, keine Nachrichten.
  • Ein kühler Raum: gut gelüftet, mit leichter Bettwäsche aus Baumwolle oder Leinen.
  • Mondlicht: Schon die klassischen Texte empfehlen für Sommerabende kühle Luft und Mondlicht; ein Spaziergang nach Sonnenuntergang gilt als Ausgleich für die Hitze des Tages.

Mehr über den Schlaf der einzelnen Doshas steht im Beitrag Ayurveda und Schlaf. Hält unruhiger Schlaf über Wochen an, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Die Sonnenwende: Rituale am Wendepunkt

Die Sommersonnenwende fällt auf den 20. oder 21. Juni: Auf der Nordhalbkugel steht die Sonne mittags so hoch wie an keinem anderen Tag, und sie tritt in das Zeichen Krebs. Was das astrologisch bedeutet, beschreibt der Beitrag über die Sommersonnenwende. Die klassischen Texte des Ayurveda teilen das Jahr nach dem Lauf der Sonne in zwei Hälften: Solange die Sonne nach Norden wandert, gilt ihre Kraft als austrocknend und zehrend; wendet sie sich nach Süden, tritt nach der Lehre der Mond mit seiner kühlenden, nährenden Qualität in den Vordergrund. Ein eigenes Ritual für den Tag schreiben die Texte nicht vor. Wer ihn bewusst begehen möchte, füllt ihn mit Gewohnheiten, die zur Pitta-Saison passen:

  • Den Morgen draußen erleben: früh aufstehen, Yoga oder ein Spaziergang, solange es kühl ist.
  • Kühlende Pflege: eine Selbstmassage mit Kokos- oder Sonnenblumenöl, danach lauwarm duschen.
  • Ein kühlendes Mahl: Reis, Gurke, Kokos und frische Kräuter, dazu Rosen- oder Hibiskuswasser.
  • Innehalten: Der längste Tag ist eine Schwelle. Schreib auf, was dir das erste Halbjahr gebracht hat, was du loslassen möchtest und was du in die zweite Jahreshälfte mitnimmst.
  • Ein kühler Abend: Zeit im Freien, am Wasser oder im Mondlicht statt voller Termine.

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Häufige Fragen zu Ayurveda im Sommer

Wann beginnt die Pitta-Saison im Ayurveda?

Grob Ende Mai, wenn es warm wird, und sie reicht bis in den September. Hitze und Pitta erreichen meist im Juli und August ihren Höhepunkt.

Muss ich auf Pitta achten, wenn ich kein Pitta-Typ bin?

Nach ayurvedischer Lehre ja, denn Hitze vermehrt Pitta bei allen. Pitta-Typen spüren es am stärksten; Vata-Typen vertragen Wärme oft gut, trockene Hitze aber nicht; Kapha-Typen kommen mit dem Sommer meist gut zurecht.

Was soll ich im Sommer nach Ayurveda essen und trinken?

Süßes, Bitteres und Herbes wie Gurke, Melone, reife Früchte, Kokos, Reis und frische Kräuter; weniger Scharfes, Saures und Salziges, wenig Alkohol und Kaffee. Getränke kühl, aber nicht eiskalt.

Warum schlafe ich im Sommer schlechter?

Nach der Lehre, weil Hitze und lange Tage Pitta vermehren. Typisch ist das Aufwachen zwischen 22 und 2 Uhr mit Hitze und kreisenden Gedanken. Die Tradition rät zu einem leichten Abend, einem kühlen Schlafzimmer und Schlafengehen vor 22 Uhr. Hält der unruhige Schlaf an, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Welche Rituale passen zur Sonnenwende?

Ein früher Morgen draußen, eine Selbstmassage mit Kokosöl, ein kühlendes Mahl, ein Abend im Freien und ein Rückblick auf das erste Halbjahr. Ein eigenes Sonnenwende-Ritual schreiben die klassischen Texte nicht vor.

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